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pamer.net - Diplomarbeit - 2 Abgrenzung und Einordnung des Themas - 2.3 Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit

Usability: Diplomarbeit

Benutzerfreundlichkeit von WWW-basierten Navigationssystemen

--- Navigationsebene 1 ---
o Über diese Arbeit
o 1 Einleitung
o 2 Abgrenzung und Einordnung des Themas [aktiv]
o 3 Aspekte von Benutzerfreundlichkeit
o 4 WWW und Benutzerfreundlichkeit
o 5 Heuristiken
o 6 Empirische Untersuchung
o 7 Zusammenfassung und Ausblick
o Anhang
o Verzeichnisse
--- Navigationsebene 2 ---
o 2.1 Begriffsdefinitionen
o 2.2 Ziele der WWW-Informationssystem-Entwicklung
o 2.3 Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit

2.3 Bedeutung der Benutzerfreundlichkeit

"People cost a lot more money than machines, and while it might appear that increasing machine productivity must result in increasing human productivity, the opposite is often true." [siehe Togn98a]

Um die Produktivität eines Informationssystems zu optimieren, ist es nötig, alle seine Elemente zu untersuchen. Wie erwähnt sind dies Mensch und Maschine [vgl. 2.1.2 WWW-Informationssystem]. Beide sind für das optimale Funktionieren entscheidend.

Die Versuchung zu meinen, dass Benutzerfreundlichkeit zwar eine angenehme Draufgabe, aber keineswegs eine Notwendigkeit ist, ist groß. Dieser Fehler wurde auch in der Vergangenheit nur allzuoft gemacht.

Einige Beispiele dieser Sichtweise sind zu trauriger Berühmtheit gelangt:

  • der Reaktorunfall von Three Mile Island im Jahr 1979 (ineffiziente Gestaltung von Bedienungsfeldern und des Alarmsystems),
  • der Abschuss eines iranischen Airbus durch die USS Vincennes (Aufteilung der vom Radar gelieferten Daten auf mehrere Bildschirme) und
  • Fehler des Londoner Ambulanzsystems (führten zu permanenter Fehlbedienung). [vgl. O.A.99a]

Aber auch abseits von Katastrophen gibt es ausreichend Gründe, bei der Informationssystementwicklung auf Benutzerfreundlichkeit zu achten.

Grundsätzlich ist es zur Optimierung des Informationssystems nötig, den Nettonutzen (ergibt sich aus Bruttonutzen minus Aufwand) der Benutzer/innen zu maximieren [vgl. KaSi99, 54]. Je größer dieser Nettonutzen der Benutzer/innen ist, desto eher werden sie das Programm nutzen oder kaufen.

Informationssystementwickler/innen können dabei an zwei Punkten ansetzen. Zum Einen indem sie den Bruttonutzen durch die Erfüllung möglichst aller (selbst der unbewussten) Bedürfnisse erhöhen, wobei diesbezüglich besonders die Funktionalität entscheidend ist [vgl. 2.2 Ziele der WWW-Informationssystem-Entwicklung] - zum anderen indem sie den Aufwand (Kosten, Zeit und Anstrengungen), der zur Nutzung nötig ist, minimieren. [vgl. KaSi99, 55]

Dieser zweite Punkt liegt dem Konzept der Benutzerfreundlichkeit zugrunde. Die häufigsten Probleme im World Wide Web, die den Aufwand für Benutzer/innen erhöhen, zeigt Abbildung 1.

Das größte Problem bei der Benutzung des WWW sind fehlerhafte Links (57,1%), gefolgt von Skript-Fehlermeldungen (42,6%), HTML-Fehlern (29,6%), Problemen mit dem Browser (28,5%) und Browser-Inkompatibilität (25,5%).

Abbildung 1: Probleme bei der Benutzung des WWW - fehlerbezogene Nennungen (in Prozent der Benutzer/innen). [vgl. RoKe98a]

"The human body is a mechanism which has limitations and tolerances within which it must work. Or eyes require images to be within a particular size range [...] if they are to be viewed in comfort. Some colours are perceived more easily than others, some colour juxtapositions aid discrimation whilst others are confusing." [siehe CoVl87, 5] Wobei dies nur einige Beispiele für Probleme der menschlichen Physis sind - weit bedeutendere geistige Einschränkungen (wie ein sehr limitiertes Kurzzeitgedächtnis) kommen hinzu [vgl. CoVl87, 5].

Vorab sind ethische Gesichtspunkte zu beachten. Schon allein dieser Blickwinkel macht den Nettonutzen der Benutzer/innen berücksichtigenswert.

Doch auch rein materielle Überlegungen und eigennützige Motive drängen einem die Berücksichtigung von Benutzerfreundlichkeit auf. Weit direkter als durch ethische Probleme sind Informationssystem-Entwickler/innen (und damit natürlich nicht zuletzt WWW-Autor/inn/en) dadurch betroffen, dass sich Benutzer/innen bei zu hohem Aufwand dazu entscheiden werden, ein System nicht zu verwenden oder zu kaufen, bzw. (falls sie keine Entscheidungsmöglichkeit haben) es nach Möglichkeit umgehen oder verstärkt Fehler machen werden [vgl. CoVl87, 6]. Dies gewinnt nicht zuletzt an Bedeutung weil zunehmend neue und heterogene Bevölkerungsgruppen Informationstechnik verwenden und verstärkt Wert auf einfach zu bedienende Systeme legen [vgl. O.A.99b].

Insbesondere trifft das auf WWW-Informationssysteme zu, unter anderem auch da die Branche und WWW-Dienstleister versuchen, Kunden zu gewinnen, die bisher weniger Kontakt mit Informationstechnik hatten. Anhand von neuen Technologien (z.B. WebTV, Apples IMac oder Netzcomputer (NCs)) und Dienstleistungen (z.B. grundgebührfreier Internetzugang des österreichischen Internet Service Providers UTA) wird dies deutlich.

An erster Stelle der Auswirkungen auf die Informationssystementwicklung steht dabei wie so häufig die Reduktion von Kosten in den verschiedensten Bereichen. Je nach Einsatzbereich der entwickelten Informationssysteme betrifft dies vor allem den Kundendienst (weniger Anfragen durch weniger Probleme) oder das interne Training [Dray95, 19].

So hat eine Studie von IBM gezeigt, dass die Einarbeitungszeit bei einem System mit benutzerfreundlicher Benutzerschnittstelle eine Stunde betrug, während es eine Woche dauerte, Arbeitnehmer für ein ähnliches System einzuschulen, bei dessen Entwicklung kein oder wenig Wert auf Benutzerfreundlichkeit gelegt wurde [BiMa94].

Aber auch andere Faktoren, wie geringerer Produktivitätsverlust bei der Einführung eines neuen Systems ("less productivity loss when the system is introduced" [siehe Dray95, 19]) oder verstärkte Konzentration auf die auszuführende Aufgabe statt auf das dazu nötige Werkzeug ("more focus on tasks to be done, rather than on the technology tool" [siehe Dray95, 19]), spielen eine entscheidende Rolle.



URL: http://pamer.net/benutzerfreundlichkeit/kapitel-2-3.html, Letzte Änderung: 29. 03. 2006, © Reinhard Pamer