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Usability: Diplomarbeit

Benutzerfreundlichkeit von WWW-basierten Navigationssystemen

--- Navigationsebene 1 ---
o Über diese Arbeit
o 1 Einleitung
o 2 Abgrenzung und Einordnung des Themas
o 3 Aspekte von Benutzerfreundlichkeit
o 4 WWW und Benutzerfreundlichkeit [aktiv]
o 5 Heuristiken
o 6 Empirische Untersuchung
o 7 Zusammenfassung und Ausblick
o Anhang
o Verzeichnisse
--- Navigationsebene 2 ---
o 4.1 Technischer Rahmen [aktiv]
o 4.2 Benutzer/innen
--- Navigationsebene 3 (in diesem Dokument) ---
[down] 4.1.1 Technologien
[down] 4.1.2 Ausstattung der Benutzer/innen

4.1 Technischer Rahmen

4.1.1 Technologien

Um auch weniger erfahreneren Leser/inne/n zu ermöglichen, die nachfolgenden Ausführungen zu verfolgen, möchte ich hier einen Überblick über einige der am weitesten verbreiteten Technologien des WWW geben. Dabei konzentriere ich mich vor allem darauf, wozu diese fähig sind - und wozu nicht.

4.1.1.1 Hypertext Markup Language (HTML)

HTML ist eine Seitenbeschreibungssprache [Nachträgliche Anmerkung: eigentlich eher eine Strukturbeschreibungssprache mit an Bedeutung verlierenden Elementen einer Seitenbeschreibungssprache], keine Programmiersprache. HTML wird vom W3-Konsortium (W3-Consortium, W3C) weiterentwickelt und öffentlich zur Diskussion gestellt. [vgl. auch RaJa97]

Das Grundkonzept ist die Beschreibung der Struktur eines Textes - Formatierung ist erst in zweiter Linie relevant. Doch auch von den relativ schwach ausgeprägten Formatierungselementen (z.B. Fettschrift, Tabellenbreite, Schriftgröße und -art o.ä.) wendet sich das W3-Konsortium in der letzten Zeit zugunsten von Cascading Style Sheets zunehmend ab.

Die Strukturierung geschieht durch Einschließen von Text in sogenannte Tags. Die Überschrift dieses Unterkapitel würde man beispielsweise als "<h4>Hypertext Markup Language (HTML)</h4>" definieren. Abhängig von der Definition der Inhalte (z.B. als Überschrift, wichtiger Text oder Meta-Information) im Quelltext, entscheidet der WWW-Browser (im Rahmen der Möglichkeiten des Betriebssystems) über deren Darstellung.

Die meisten WWW-Browser gewähren dabei Benutzer/inne/n umfassende Möglichkeiten, dieses Erscheinungsbild mitzubestimmen - bis hin zum Ignorieren sämtlicher Formatierungsempfehlungen, die der WWW-Autor bzw. die WWW-Autorin abgegeben hat.

Weiterführende Information dazu ist im WWW zu finden. So bietet z.B. das W3-Konsortium die Spezifikation des Standards HTML 4.0 (die aktuelle Version von HTML) zum Download an [siehe O.A.98a].

Abbildung 2: Beispiel für HTML.

Abbildung 2 zeigt die Funktionsweise von HTML. In der Datei "Beispiel_1.html" (linke Bildhälfte) wird die Struktur des Textes mit Hilfe von Tags beschrieben. Der WWW-Browser (in der rechten Bildhälfte) stellt die Datei auf Grund dieser Angaben dar. So zeigt er z.B. das Bild, auf das er mit "<IMG SRC="alien.jpg">" verwiesen wird, gleich unterhalb der Überschrift an.

4.1.1.2 Cascading Style Sheet (CSS)

Cascading Style Sheets wurden vom W3-Konsortium entwickelt und werden kontinuierlich erweitert. Sie dienen dazu, umfassendere Formatierung von WWW-Seiten zu ermöglichen, sowie Inhalt und grafische Darstellung voneinander zu trennen. In ihrem Funktionsumfang sind sie HTML-Formatierungsempfehlungen mittlerweile deutlich überlegen. [vgl. auch Bos99]

Cascading Style Sheets bauen auf der Grundlage HTML auf. Ziel ist, für die jeweiligen HTML-Tags im Style Sheet das Erscheinungsbild festzulegen. Die CSS-Angabe "h4 {font-size:200%}" würde also beispielsweise für alle Überschriften 4. Grades die doppelte Schriftgröße vorsehen.

Es gibt nun drei Möglichkeiten für die Verbindung von CSS mit HTML: Speicherung in einer eigenen Datei mit Verweis darauf im HTML-Quelltext, Einbetten des Style Sheet in den HTML-Quelltext und Hinzufügen einzelner CSS-Angaben zu HTML-Tags. Ersteres eröffnet WWW-Autor/inn/en eine bemerkenswerte Möglichkeit - die einfache Verwaltung einer einheitlichen grafischen Darstellung durch Änderungen in einer einzigen Datei.

Leider ist es derzeit um die korrekte Implementierung bei den verbreitetsten WWW-Browsern von Netscape und Microsoft äußerst schlecht bestellt. Der erste W3C-Standard CSS1 mit geringem Funktionsumfang ist zwar mittlerweile größtenteils in den Browsern der 4. Generation implementiert - für den zweiten, neueren W3C-Standard CSS2 ist die Unterstützung jedoch äußerst lücken- und fehlerhaft. Erst mit der (von Microsoft bereits verbreiteten, von Netscape erst in der Entwicklung befindlichen) 5. Generation ist diesbezüglich umfassende Unterstützung zu erwarten.

Zusätzlich zur mangelnden Verbreitung ist hier jedoch zu berücksichtigen, dass Benutzer/innen die Möglichkeit haben, Style Sheets zu deaktivieren. Somit ist es empfehlenswert, sowohl für diesen Fall als auch für den der Verwendung nicht-CSS-fähiger Browser, die Benutzbarkeit von WWW-Seiten sicherzustellen.

Wie für HTML gibt es auch für CSS vielfältige und umfangreiche Information im WWW. Die Spezifikation unter anderem auch des Standards CSS2 bietet das W3-Konsortium ebenfalls online an [siehe O.A.98b].

Abbildung 3: Beispiel für CSS.

Abbildung 3 zeigt die Funktionsweise von CSS. In der Datei "Beispiel_2.html" wird zwischen den Tags "<STYLE type="text/css">" und "</STYLE>" der Style Sheet definiert. Dabei werden für die jeweiligen HTML-Tags Formatierungsempfehlungen abgegeben. Die Angabe "A {font-style:italic;}" empfiehlt beispielsweise, alle Hyperlinks ("<A href="Beispiel_1.html">HTML</A>") kursiv (engl.: italic) darzustellen. Der WWW-Browser kommt dieser Empfehlung nach, da er entsprechend konfiguriert wurde.

4.1.1.3 JavaScript/JScript

JavaScript ist eine Skript-Sprache, die unter dieser Bezeichnung von Netscape entwickelt wurde. Microsoft hat als JScript eine nahezu identische Sprache herausgebracht.

Ziel von JavaScript (wird verbreitet als Überbegriff für JavaScript und JScript verwendet) ist es, Interaktion zu ermöglichen. Es sind damit unter anderem direkte Reaktionen auf Benutzer/innen-Verhalten oder die Prüfung von Formulareingaben möglich. JavaScript arbeitet derzeit so gut wie ausschließlich klientenseitig, der Quellcode wird im HTML-Quelltext eingebettet bzw. in externen Dateien gespeichert.

Auch JavaScript kann von Benutzer/inne/n deaktiviert werden. Da es von WWW-Autor/inn/en missbraucht werden kann, um das Verhalten und die Darstellung des Browsers zu steuern (z.B. Deaktivierung der Statuszeile oder öffnen neuer Fenster) ist die Motivation dafür bei Benutzer/innen um einiges höher als z.B. bei Cascading Style Sheets.

Umfangreiche Information zu JavaScript bietet unter anderem auch Netscape selbst [siehe Hust98].

Abbildung 4: Beispiel für JavaScript.

Abbildung 4 zeigt die Funktionsweise von JavaScript. Das Skript wird zwischen den Tags "<SCRIPT Language="JavaScript">" und "</SCRIPT>" definiert. Aufgabe der Funktion "scrollendertext()" ist es, den Text im Formularfeld des Tag "<INPUT TYPE=text NAME="txt">" scrollen zu lassen. Mittels "onLoad="scrollendertext()"" wird die im Skript definierte Funktion aufgerufen. Da die Ausführung von JavaScript-Skripten in den Einstellungen des Browsers aktiviert wurde, zeigt er den Text entsprechend an.

4.1.1.4 Java

Java - eine vollwertige Programmiersprache, die mit JavaScript nur namentlich verbunden ist - wurde von Sun Microsystems entwickelt. Sie verdankt ihre Popularität der Plattformunabhängigkeit und einem relativ gut gestalteten Sicherheitskonzept. Im WWW tritt sie vor allem klientenseitig in der Form von Java-Applets (kleinen interaktiven Programmen) in Erscheinung. Der Funktionsumfang von Java ist der einer vollwertigen Programmiersprache (für Applets allerdings aus Sicherheitsgründen eingeschränkt) - dementsprechend groß ist ihr potentielles Anwendungsgebiet.

Das für JavaScript gesagte gilt jedoch für Java in noch größeren Umfang: Benutzer/innen deaktivieren es sehr häufig. Insbesondere in der Anfangszeit waren Java-Applets sehr langsam und brachten Browser relativ häufig zum Absturz - meist ohne Benutzer/inne/n zusätzlichen Nutzen zu bringen. Deshalb sind Java-Applets nicht bedenkenlos einsetzbar.

Weiterführende Information bietet z.B. Sun selbst an [siehe O.A.99d].

Abbildung 5: Beispiel für Java. [vgl. Part00]

Abbildung 5 verdeutlicht die Funktionsweise von Java. In der Datei "ButtonTest.class" wird ein Java-Applet definiert. Dieses wird wiederum in der Datei "ButtonTest.html" durch den Tag "<applet code="ButtonTest.class" width="500" height="100">" aufgerufen und im WWW-Browser dargestellt, da die Ausführung von Java in den Browser-Einstellungen aktiviert wurde. Aufgabe des Applet ist es, je nachdem welche Schaltfläche angewählt wurde, einen anderen Text anzuzeigen.

4.1.1.5 Common Gateway Interface (CGI)

Das Common Gateway Interface ist eine Schnittstelle zur Kommunikation von WWW-Klienten mit auf WWW-Servern ablaufenden CGI-Programmen. Diese Skripte können in jeder beliebigen Programmier- oder Skriptsprache verfasst sein, die von CGI unterstützt wird. Perl ist derzeit die populärste und verbreitetste Sprache.

Ziel von CGI ist die dynamische Erstellung von WWW-Seiten abhängig von Benutzereingaben.

Die Arbeitsweise des CGI ist einfach. Dem WWW-Server werden vom Klienten Daten übergeben, aufgrund derer der Server eine vom CGI-Programm generierte WWW-Seite an den Klienten zurücksendet. Auf den Ablauf am Server hat der Klient keinen Einfluss - er ist daher von WWW-Autor/inn/en nach Belieben (im Rahmen der Möglichkeiten der verwendeten Sprache) gestaltbar. Das an den Klienten übermittelte Dokument ist eine herkömmliche WWW-Seite - und kann dementsprechend alle zur Verfügung stehenden Technologien nutzen.

Eine Deaktivierung seitens des Klienten ist aufgrund der Architektur nicht möglich, da an den Klienten eine herkömmliche WWW-Seite übermittelt wird.

Entwickelt wurde CGI vom National Centre for Supercomputing Applications, das auch darüber informiert [siehe O.A.99e]. Eine Einführung in CGI in Verbindung mit Perl gibt z.B. Art Sackett [siehe Sack98a].

Abbildung 6: Beispiel für CGI.

Abbildung 6 soll die Funktionsweise von CGI darlegen. Die im Formular von "Beispiel_5.html" eingegebenen Daten werden durch das Anwählen der "Datei senden"-Schaltfläche an das Skript der Datei "input.pl" übergeben. Das Skript liest die Daten ein, bereinigt ihre Formatierung und speichert sie in "archiv.txt". Schließlich wird ein dynamisch erstelltes HTML-Dokument an den Browser übermittelt, in dem der Benutzer mit dem Namen, den er zuvor angegeben hat, angesprochen und ihm der Erhalt seiner Nachricht bestätigt wird.

4.1.1.6 Server Side Includes (SSI)

Server Side Includes erlauben die Veränderung von Dokumenten noch während der Bearbeitung durch den Server (vor der Übermittlung an den Klienten). Dabei werden in den HTML-Quelltext eingefügte Kommentare durch Texte aus gesonderten Dateien oder Ausgaben von Skripten ersetzt.

Interessant ist diese Technologie insbesondere hinsichtlich einfacherer Wartbarkeit von WWW-Seiten - beispielsweise durch das zentrale Führen eines Navigationsmenüs für hunderte Seiten.

Über die Einbindung der Ausgaben von Skripten ist auch die dynamische Erstellung von Textteilen möglich.

Auf die Verwendung von SSI haben Benutzer/innen keinen Einfluss, da für sie nicht erkennbar ist, wie die übermittelte WWW-Seite erzeugt wurde. Die Einsetzbarkeit ist also nur vom verwendeten Server abhängig.

Das für die Entwicklung verantwortliche National Centre for Supercomputing Applications und Art Sackett stellen nähere Information zur Verfügung [siehe O.A.99f; siehe Sack98b].

Abbildung 7: Beispiel für SSI.

Abbildung 7 zeigt die Funktionsweise von SSI. Die Datei "Beispiel_6.html" enthält den Kommentar "<!--#include virtual="navigation.txt" -->". Dieser weist den WWW-Server darauf hin, vor der Übermittlung der Datei an den WWW-Browser den Kommentar durch den Text in der Datei "navigation.txt" zu ersetzen. Der Browser empfängt somit ein Dokument, das "Beispiel_6.html" heißt - jedoch mit den Inhalten beider Dateien.

4.1.2 Ausstattung der Benutzer/innen

Vor allem WWW-Autor/inn/en, die ursprünglich im Bereich der grafischen Gestaltung herkömmlicher Benutzerschnittstellen tätig waren, beklagen des öfteren die mangelnde Kontrolle über das Erscheinungsbild ihrer WWW-Seiten. Sehr häufig wird versucht, durch verschiedenste Tricks der grafischen Gestaltung dieses Problem zu umgehen. Es ist jedoch nur sehr eingeschränkt möglich.

Das World Wide Web ist von Beginn an dafür ausgelegt worden, für möglichst viele Benutzer/innen nutzbar zu sein. Dies war der Grundstein für den Erfolg des WWW - es bringt jedoch auch Nachteile mit sich, nämlich die Notwendigkeit, dieses Grundkonzept bei der Gestaltung von WWW-Seiten im Auge zu behalten. Vier Punkte sind es, die dabei besonders wichtig sind.

4.1.2.1 Zugangsgeschwindigkeit

Tests mit Benutzer/inne/n legen nahe, dass das Limit für den Aufbau von WWW-Seiten je nach Erkennbarkeit des Fortschritts bei 8,5 bis 20 Sekunden liegt [vgl. Bick97b]. Davon und von der Zugangsgeschwindigkeit [vgl. 4.2.3.3 Technische Ausstattung] hängt die maximale Größe einer WWW-Seite ab, die man als WWW-Autor bzw. WWW-Autorin erreichen darf, damit möglichst wenige Benutzer/innen den Ladevorgang vorzeitig abbrechen. [vgl. auch Sano96]

4.1.2.2 Verwendete Software

Während Entwickler/innen herkömmlicher Informationssysteme zumindest über einen Teil des Systems - die Maschine - weitgehende Kontrolle haben, können im WWW nur Inhalte (bestenfalls mit Formatierungsempfehlungen) an die Klienten-Software des Benutzers bzw. der Benutzerin übermittelt werden. Die Darstellung dieser Information ist sowohl vom verwendeten Klienten (WWW-Browser) als auch vom Betriebssystem abhängig. [vgl. 4.1.1 Technologien]

Hinzu kommt, dass diese überaus unterschiedlich sein können. Sowohl Betriebssysteme als auch Browser können über rein textorientierte (z.B. Unix-Kommandozeile bzw. Lynx) aber auch grafische (z.B. MacOS bzw. Opera) Benutzerschnittstellen verfügen - und selbst diese sind jeweils sehr unterschiedlich. Derzeit befinden sich darüber hinaus sogenannte Voice-Browser in der Entwicklung, die z.B. auch Blinden leichter den Zugang zum WWW ermöglichen sollen.

4.1.2.3 Kontrolle

Nicht nur die verwendete Technik entscheidet über das Erscheinungsbild der jeweiligen WWW-Seite, sondern vor allem auch die Vorlieben der Benutzer/innen. Moderne WWW-Browser erlauben umfangreiche Einstellungen, beispielsweise die völlige Deaktivierung des Ladens von Grafiken oder Animationssequenzen, aber auch das Unterbinden der Ausführung einzelner Technologien. [vgl. 4.1.1 Technologien]

4.1.2.4 Bildschirm

Somit ist klar, dass sowohl Benutzer/in als auch Software Einfluss auf die Darstellung von WWW-Seiten haben. Ein Teil der Benutzerschnittstelle fehlt jedoch noch: Die Hardware [vgl. 2.1.3 Benutzerschnittstelle]. Hier sind es vor allem der Monitor (Bildschirmdiagonale) und die Betriebssystem-Einstellungen hinsichtlich Auflösung [vgl. 4.2.3.3 Technische Ausstattung] bzw. Farbtiefe. [vgl. Sano96]

Verschiedene Praktiken, die dem Versuch der möglichst exakt dem Wunsch des WWW-Autors bzw. der WWW-Autorin entsprechenden Darstellung dienen, können in diesem überaus heterogenen Umfeld zu unerwünschten Effekten führen. Es kann passieren, dass diese Darstellung zwar bei Systemen die dem eigenen ähneln, erreicht wird, bei anderen jedoch nahezu unlesbar wird - sei es nun z.B. wegen zu kleiner Schrift oder falsch gewählter (kaum lesbarer) Farben.



URL: http://pamer.net/benutzerfreundlichkeit/kapitel-4-1.html, Letzte Änderung: 29. 03. 2006, © Reinhard Pamer