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Usability: Diplomarbeit

Benutzerfreundlichkeit von WWW-basierten Navigationssystemen

--- Navigationsebene 1 ---
o Über diese Arbeit
o 1 Einleitung
o 2 Abgrenzung und Einordnung des Themas
o 3 Aspekte von Benutzerfreundlichkeit
o 4 WWW und Benutzerfreundlichkeit
o 5 Heuristiken [aktiv]
o 6 Empirische Untersuchung
o 7 Zusammenfassung und Ausblick
o Anhang
o Verzeichnisse
--- Navigationsebene 2 ---
o 5.1 Navigation [aktiv]
o 5.2 Hyperlinks
o 5.3 Zugänglichkeit
o 5.4 Grafische Gestaltung
o 5.5 Weiterführende Literatur
--- Navigationsebene 3 (in diesem Dokument) ---
[down] 5.1.1 Kategorisierung des WWW-Angebots
[down] 5.1.2 Navigations-Hilfsmittel

5.1 Navigation

5.1.1 Kategorisierung des WWW-Angebots

Die Hauptfrage ist hier, ob sich Benutzer/innen mentale Modelle des WWW-Angebots bilden, ob sie sich also einen Eindruck von der Struktur schaffen und sie geistig nachbilden.

Diese Frage entscheidet über die Bedeutung einer geeigneten Kategorisierung. Während manche Autor/inn/en sie, ausgehend von der traditionellen Software-Entwicklung, für absolut zentral halten [vgl. PoJo98, 138; RoMo98, 26], hat sich bei Tests mit Benutzer/inne/n gezeigt, dass diese sich im World Wide Web keine mentalen Modelle von WWW-Angeboten bilden [vgl. Spoo97, 18]. Ein Fehlen derartiger Modelle hätte natürlich Auswirkungen auf die Bedeutung der Kategorisierung eines WWW-Angebots.

Es sei hier jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Spools Untersuchungen nicht zu wissenschaftlich fundierten explikativen Aussagen geführt haben, was er selbst erwähnt [vgl. Spoo97, xii]. Meines Erachtens sind Spools Ergebnisse jedoch zumindest plausibel, da Benutzer/innen im WWW weit weniger Zeit auf das Erforschen einzelner Angebote verwenden, als sie es mit traditioneller Software tun, die sie im Normalfall ja über längere Zeit im Gebrauch haben.

5.1.2 Navigations-Hilfsmittel

5.1.2.1 Rahmen

Rahmen (engl.: Frames) sind wohl eines der umstrittensten Themen im WWW-Authoring.

Fakt ist, dass sie objektiv gesehen einige Nachteile haben [vgl. Musc99, Niel96c].

  • Manche Browser können Rahmen nicht anzeigen (z.B. textorientierte wie Lynx), generell kann man davon ausgehen, dass Rahmen nicht einheitlich dargestellt werden.
  • Bookmarks (Lesezeichen) sind mit Rahmen nur bei den neuesten Browsern effizient zu setzen. Ältere Version setzten sie nicht auf die angezeigte Seite, sondern auf den angezeigten URL (dieser bleibt bei der Navigation in WWW-Angeboten mit Rahmen jedoch unverändert jener der Startseite).
  • Es ist schwierig, Seiten die Rahmen verwenden, korrekt zu drucken.
  • Früher hatten Benutzer/innen Probleme, sich in WWW-Angeboten, die Rahmen verwendeten, zurecht zu finden - insbesondere wegen Schwierigkeiten mit dem Back-Button, der nicht wie gewohnt funktionierte. Heutzutage ist dieses Problem zwar weniger relevant, kann aber nach wie vor nicht außer Acht gelassen werden.
  • Rahmen nehmen konstant Platz am Bildschirm in Anspruch. Benutzer/innen können nicht über unerwünschte Inhalte hinwegscrollen, wenn diese in einem eigenen Rahmen dargestellt werden. Hierbei ist jedoch entscheidend, dass die Größe der verwendeten Bildschirme mit der Zeit zunimmt, und die möglichst effiziente Einteilung des Platzes am Bildschirm somit an Bedeutung verliert.

Wie leicht zu erkennen ist, nehmen die Probleme mit Rahmen immer mehr ab. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie nie oder nicht auf absehbare Zeit gänzlich verschwinden werden.

Trotz aller Probleme kann man Rahmen jedoch nicht grundsätzlich verdammen, da sie sehr wohl auch Vorteile haben.

  • Es ist möglich, das Navigationsmenü ständig im sichtbaren Bildausschnitt zu behalten.
  • Eine zentrale Führung der Navigation in einer eigenen Datei wird auch ohne Einsatz von serverseitigen Technologien möglich.
  • Es ist möglich, gleichzeitig zwei oder mehr WWW-Seiten anzuzeigen. Dadurch kann man Vergleiche (z.B. zweier Produkte) oder Kommentare (z.B. Fußnoten einer Diplomarbeit die online publiziert wird) besser ermöglichen [vgl. Bric98].

Somit ist im Endeffekt von Fall zu Fall zu beurteilen, ob die Vorteile die Nachteile aufwiegen. Ein generelles Urteil zu fällen, wie es mitunter versucht wird, ist m.E. unmöglich.

5.1.2.2 Inhaltsverzeichnis

Ein Inhaltsverzeichnis kann vor allem bei umfangreicheren WWW-Angeboten sehr hilfreich sein, nicht zuletzt weil es an ein Buch erinnert und das Konzept den Benutzer/inne/n somit bekannt ist.

Es ist beim Entwurf eines Inhaltsverzeichnisses jedoch einiges zu beachten.

  • Das Inhaltsverzeichnis sollte Benutzer/inne/n die Hierarchie des WWW-Angebots näher bringen, um ihnen die Navigation darin zu erleichtern.
  • Es sollte jenen die bereits genau wissen was sie möchten, erlauben direkt auf die Inhalte zuzugreifen.
  • Es sollte nicht zu umfangreich sein, um Benutzer/innen nicht zu überfordern. [vgl. RoMo98, 65]

5.1.2.3 Navigationsmenüs

Bei der Gestaltung von Navigationsmenüs stellen sich drei Fragen:

Welche bzw. wieviele Ebenen soll ein Navigationsmenü anzeigen?

Dabei gibt es die Möglichkeit, Hyperlinks einer Ebene (sei sie nun höher, tiefer oder die aktive), Hyperlinks verschiedener Ebenen (also die Anzeige des Wegs, den Benutzer/innen in die Hierarchie hinein nehmen) oder eine Kombination aus beidem zu wählen. [vgl. Togn98b]

Ist es besser Text- oder Grafiklinks zu verwenden?

Grafische Hyperlinks bieten mehr Möglichkeiten gestalterisch tätig zu werden, und können das Aussehen einer WWW-Seite positiv beeinflussen. Textlinks hingegen sind im Normalfall einfacher zu erstellen bzw. zu warten und auch oft für Benutzer/innen klarer erkenntlich. [vgl. O.A.98c]

Textlinks haben ebenfalls den Vorteil, dass Benutzer/innen sie an ihre Bedürfnisse anpassen können. Wer also beispielsweise große Schrift bevorzugt, kann seinen Browser dementsprechend konfigurieren, mit Grafiken ist dies nur bei wenigen und nur eingeschränkt machbar (z.B. Opera). Die Möglichkeit, besuchte Hyperlinks anders (meist in einer anderen Farbe) darzustellen, eröffnet sich ebenfalls nur bei Textlinks.

Eines ist jedoch in jedem Fall zentral: Bei der Entscheidung für grafische Hyperlinks sollte nicht vergessen werden, ALT-Tags anzugeben. Das sind Alternativtexte, die Browser anstatt der Grafiken zeigen, wenn sie zu deren Darstellung entweder nicht in der Lage sind (z.B. Lynx) oder dies deaktiviert wurde (wie es mit modernen Browsern problemlos möglich ist).

Welche Art von Navigationsmenü soll gewählt werden (Position, Gestaltung)?

Hier gibt es eine schier unüberschaubare Fülle an Möglichkeiten. Zwei sehr häufige Varianten sind Textlinks oben und unten bzw. links auf der WWW-Seite. Spool und Nielsen bevorzugen dabei die Variante mit Textlinks oben und unten. Dies vor allem weil Benutzer/innen dann, sobald sie eine Seite nach unten gescrollt haben, sofort ein Navigationsmenü am Bildschirm sehen [vgl. Spoo97, 25], und weil die Variante mit dem Navigationsmenü links zuviel Platz verbraucht [vgl. Niel99].

Abbildung 8: Beispiel für verschiedene Positionen von Navigationsmenüs.

Abbildung 8 zeigt dieses Problem anhand der äußerst umfangreichen Benutzerstatistik der Usenet-Newsgroup at.freizeit.sf.startrek. In der linken Bildhälfte wird sie mit einem Navigationsmenü auf der linken Seite dargestellt, in der rechten Bildhälfte mit Navigationsmenüs oben und unten.

Nielsen räumt jedoch ein, dass das erstere - seiner Meinung nach schlechtere - System schon bald vom Standpunkt der Benutzerfreundlichkeit besser sein könnte, da sich Benutzer/innen immer stärker daran gewöhnen [vgl. Niel99].

Generell ist zu sagen, dass es WWW-Autor/inn/en dringend anzuraten ist, Benutzer/inn/en zu zeigen, wo in der Hierarchie sie sich gerade befinden, d.h. der aktive Teil des Menüs sollte in irgendeiner Form hervorgehoben sein. [vgl. Spoo97, 25f]

Zu diesem - meiner Meinung nach zentralen - Thema habe ich eine empirische Untersuchung durchgeführt, in der einige Navigationssysteme verglichen wurden. Die Ergebnisse sind durchgehend signifikant und sollten WWW-Autor/inn/en eine über Heuristiken hinausgehende Hilfestellung sein. [vgl. 6 Empirische Untersuchung]

5.1.2.4 Imagemaps

Imagemaps sind Grafiken, die in bestimmten Bereichen als Hyperlinks fungieren. Eine Grafik kann in verschiedenen Bereichen auch zu unterschiedlichen Zielen verlinken. Ein Beispiel dafür wäre die Landkarte des Bezirks Neusiedl/See. Je nachdem, welche Region man anwählt, gelangt man zu einer anderen Seite.

Abbildung 9: Beispiel für Imagemap.

Auch wenn man von Imagemaps nicht generell abraten kann, sind doch einige Nachteile zu bedenken:

  • Imagemaps benötigen als Grafiken bei weitem längere Ladezeiten als Textlinks.
  • Es ist nicht immer klar unterscheidbar, welcher Teil der Grafik ein Link ist.
  • Wie bei allen grafischen Hyperlinks [Nachträgliche Anmerkung: beim üblichen Einsatz mit "border='0'"] ist nicht feststellbar, welche Seite man schon besucht hat.
  • Es ist schwierig, sehr umfangreiche WWW-Angebote in Imagemaps darzustellen.
  • Sowohl Erstellung als auch Wartung von Imagemaps sind ungleich aufwendiger als bei Text- oder herkömmlichen Grafiklinks.
  • Bei allzu abstrakten Imagemaps können Benutzer/innen mitunter das Ziel eines Hyperlinks nicht identifizieren.
  • Weder textorientierte, noch alte Browser kommen mit Imagemaps zurecht - genausowenig wie Suchmaschinen. [vgl. Karp99]
  • Seitens der WWW-Server ist kein Caching möglich, was deren Leistung negativ beeinflusst. [Nachträgliche Anmerkung: Dieses Problem beschränkt sich auf serverseitige Imagemaps - vgl. http://ppewww.ph.gla.ac.uk/~flavell/alt/imgmap.html.]

All dies kann natürlich nicht ausschließen, dass in bestimmten Fällen Imagemaps sehr wohl sinnvoll sind, im Normalfall wird jedoch davon abzuraten sein.



URL: http://pamer.net/benutzerfreundlichkeit/kapitel-5-1.html, Letzte Änderung: 29. 03. 2006, © Reinhard Pamer